Praxis Dr. med. Leitenberger

"Der Mensch ängstet sich vor Dingen, die ihm nichts anhaben können, und er weiß es; und er gelüstet nach Dingen, die ihm nicht fruchten können, und er weiß es, aber in Wahrheit ist es ein Ding im Menschen selbst, vor dem er sich ängstet, und es ist ein Ding im Menschen selbst, nach dem er gelüstet."

(Martin Buber nach Rabbi Nachman von Bratzlaw -

aus Martin Buber, Die Geschichten des Rabbi Nachman, S. 15)

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„Was aber das Leben des einzelnen betrifft, so ist jede Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte: denn jeder Lebenslauf ist, in der Regel, eine fortgesetzte Reihe großer und kleiner Unfälle, die zwar jeder möglichst verbirgt, weil er weiß, daß Andere selten Teilnahme oder Mitleid, fast immer aber Befriedigung durch die Vorstellung der Plagen, von denen sie gerade jetzt verschont sind, dabei empfinden müssen ... Wenn man nun endlich noch jedem die entsetzlichen Schmerzen und Qualen, denen sein Leben beständig offen steht, vor die Augen bringen wollte, so würde ihn Grausen ergreifen: und wenn man den verstocktesten Optimisten durch die Krankenhospitäler, Lazarette und chirurgischen Marterkammern, durch die Gefängnisse, Folterkammern und Sklavenställe, über Schlachtfelder und Gerichtsstätten führen, dann alle die finsteren Behausungen des Elends, wo es sich vor den Blicken kalter Neugier verkriecht, ihm öffnen, und zum Schluß ihn in den Hungerturm des Ugolino blicken lassen wollte: so würde sicherlich auch er zuletzt einsehen, welcher Art dieser meilleur des mondes possibles ist. Woher denn anders hat Dante den Stoff zu seiner Hölle genommen als aus dieser unserer wirklichen Welt? Und doch ist es eine recht ordentliche Hölle geworden. Hingegen als er an die Aufgabe kam, den Himmel und seine Freuden zu schildern, da hatte er eine unüberwindliche Schwierigkeit vor sich, weil eben unsere Welt gar keine Materialien zu so etwas darbietet.“

(Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Band 1, § 59)

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"Was sind wir Menschen doch? Ein Wohnhauß grimmer Schmertzen

Ein Ball des falschen Gluecks / ein Irrlicht dieser Zeit.

Ein Schauplatz herber Angst / besetzt mit scharffem Leid /

Ein bald verschmeltzter Schnee und abgebrante Kerzen.

Diß Leben fleucht davon wie ein Geschwaetz und Schertzen.

Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid

Und in das Todten-Buch der grossen Sterblikeit

Laengst eingeschriben sind / sind uns aus Sinn und Hertzen.

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfaellt /

Und wie ein Strom verscheust / den keine Macht auffhaelt:

So muß auch unser Nahm / Lob / Ehr und Ruhm verschwinden /

Was itzund Athem holt / muß mit der Lufft entflihn /

Was nach uns kommen wird / wird uns ins Grab nachzihn.

Was sag ich? Wir vergehn wie Rauch von starcken Winden."

(Andreas Gryphius (1616-1664))